Am vergangenen Samstag, den 12.10.2013 hat das Stadtmuseum Abensberg wieder einmal zu „Wie´s früher war…“ in den Herzogskasten eingeladen. Diesmal drehte sich alles rund um das Thema Fernsehen. Nach einer Einleitung von Museumsleiter Tobias Hammerl, erzählte das Ehepaar Heilmeier, welches seit 1961 ein Elektrogeschäft in Abensberg betrieb, aus ihrem reichen Erfahrungsschatz. Im Anschluss kam die TeilnehmerInnen mit ihren „Fernsehgeschichten“ zu Wort.

Das Fernsehen hat keinen einzelnen Erfinder, sondern eine Reihe von Vätern. Die Grundidee wurde von Paul Nipkow in den 1880er Jahren formuliert, nämliche die Übertragung von bewegten Bildern über weite Distanzen mittels elektrischem Strom. Nipkow entwickelte in der Folge eine rotierende Scheibe, welche ein Bild mechanisch in einzelne Bildzeilen zerlegen konnte.

Praktikabel wurde Nipkows Idee jedoch erst, als Max Diekmann vorschlug, die rotierenden Scheiben durch eine von Karl Ferdinand Braun 1897 entwickelte Kathodenstrahlröhre zu ersetzen. Allerdings musste diese – auch „Braunsche Röhre“ genannt – weiter entwickelt werden, um eine so genannte Modulation zu ermöglichen, durch die der Strahl hell und dunkel gesteuert werden konnte. Damit war der Weg für die elektronische Darstellung von Bildern frei. Allerdings fehlte immer noch eine elektronische Kamera für das Fernsehen. Diese steuerte 1923 der Russe Vladimir Zworykin mit dem Ikonoskop bei. 1924 speicherte der Schotte John Logie Baird die ersten – mechanisch erzeugten – Fernsehbilder auf einer Art Schallplatte. Die Kombination aller Ideen und Technologien gelang 1926 dem Japaner Kenjiro Takayanagi und damit die nachweislich erste Fernsehübertragung. Einer großen Öffentlichkeit hingegen führte der deutsche Physiker Manfred von Ardenne das elektronische Fernsehen auf der Funkausstellung 1931 vor. Obwohl die Nationalsozialisten des neuen Mediums zu Propagandazwecken nutzten, wurde die weitere Entwicklung durch den 2. Weltkrieg gestoppt.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde erst 1952 in Deutschland wieder ein reguläres Fernsehprogramm ausgestrahlt, allerdings für gerade einmal 300 Rundfunkteilnehmer. Einen regelrechten Boom erlebte das junge Medium 1959, als pro Tag im Durchschnitt 5000 Fernsehgeräte verkauft wurden. Ein Gerät, welches im Rahmen der Veranstaltung gezeigt wurde, ein Lorenz Visophon aus dem Jahr 1958, kostete übrigens laut Liste 1.048.- DM. Das Durschnittsentgelt eines solzialversicherungspflichtigen Arbeitnehmers betrug im selben Jahr hingegen lediglich 444,16 DM pro Monat. Ein eigenes Fernsehgerät war also bis weit in die 1960er Jahre einer priveligierten Schicht vorbehalten.

Im Anschluss erzählte das Ehepaar Heilmeier, welches seit 1961 in Abensberg ein Elektrogeschäft betrieb, dass es in den 1960er Jahren für viele Familien ein Großereignis war, wenn endlich ein Fernsehapparat auch das eigene Wohnzimmer mit der großen weiten Welt verknüpfte. Zwei Monteure benötigten oft einen ganzen Tag, um das Fernsehgerät aufzustellen und die Antennenanlage zu montieren. Wir erfuhren auch, dass die Geräte wartungsfreundlich waren und oft vor Ort – auch zu später Stunde – repariert werden konnten.Wichtigstes Untensil des Fernsehreparateurs war der so genannte „Röhrenkoffer“, in dem die wichtigsten Elektronenröhren sortiert aufbewahrt wurden, um bei einer Reparatur als Ersatz für defekte Bauteile schnell zum Einsatz zu gelangen.

Danach erzählte die TeilnehmerInnen von ihren Fernsehgeschichten. Gang und gäbe war, dass sich vor den in den Schaufenstern der Elektrogeschäfte Preymesser oder Heilmeier in Abensberg ausgestellten Fernsehgeräten bei spannenden Sendungen Menschentrauben bildeten. Außerdem wurde in den einzelnen Beiträge deutliche, welche Ereignisse durch das Fernsehen in das Gedächtnis der Menschen eingebrannt wurden: Die Krönung Elisabeths der II. von England 1952, die Fußballweltmeisterschaft 1954, das Kennedy-Attentat 1963, die Mondlandung 1969 aber auch die Terroranschläge auf das World-Trade-Center am 11.9.2001 wurden genannt. Interessanterweise wurde der Mauerfall 1989 hingegen nicht erwähnt. Dennoch hat auch in Abensberg die Macht der Suggestion der Flimmerkiste zugeschlagen. Obwohl die Mondlandung um 03:56 Uhr MEZ stattfand, waren sich einige Teilnehmer sicher, dass sie die Landung am Vormittag „live“ mitverfolgt haben. (tobiashammerl)

Wie´s früher war…Fernsehgeschichten