Das Stadtmuseum Abensberg zeigt, in Zusammenarbeit mit der städtischen Galerie im Leeren Beutel in Regensburg, anlässlich des 75. Geburtstages der gebürtigen Abensbergerin Rita Karrer die Ausstellung „Vom Chaos zur Ordnung“. Im Rahmen der Ausstellung wird die künstlerische Entwicklung Karrers vom Expressionismus zur konkreten Kunst nachgezeichnet.

Rita Karrer wählt zu Beginn ihres Schaffens kräftige Farben, aufgetragen in großer Geste und breitem Pinsel, übermalt und verwischt, und lässt damit ausdrucksstarke Abstraktionen entstehen. Der Betrachter kann sich dabei kaum der Dynamik und der intensiven Emotionalität entziehen. So spürt der Betrachter bei „I love Bayern“ etwa, dass die Künstlerin, trotz aller Widersprüchlichkeiten und fern jedes stereotypen Pathos, Feuer und Flamme für ihre Heimat ist.

Die zweite Phase ihres Schaffens beginnt circa 1990. Zum einen verschwindet in den Arbeiten mehr und mehr die große Geste, zum anderen findet sie ein warmes Weinrot, welches in Kombination mit Indigoblau zu einem ihrer Markenzeichen wird. Die Arbeiten werden flächiger, monochromer, gewinnen dabei jedoch aufgrund der zahlreichen übereinander gelegten Malschichten an Tiefe. Ein Schlüsseljahr in Karrers Schaffen ist dabei 1993. In diesem Jahr wählt sie erstmals geometrische Formen, etwa in dem Werk „Unendlich“, zum Thema ihrer Arbeiten. Damit ist der Schritt von der abstrakten zur konkreten Kunst getan und ein Weg vorgezeichnet, den die Künstlerin in der Folge konsequent weiter verfolgt.

Ein Studienaufenthalt in den USA hinterlässt bei ihr einen derart bleibenden Eindruck, dass sie die nächsten Jahre nicht nur das warme Ocker des Bodens in Virgina zur Grundfarbe ihrer Arbeiten macht, sondern tatsächlich mitgebrachte Erde aus Virginia in ihre Arbeiten einarbeitet. Als Kontrast dient ihr dabei wieder Blau. Spätestens nach der Jahrtausendwende ist Karrers Weg hin zum Konkreten endgültig abgeschlossen. Linie, Dreieck, Quadrat und Kreis sind nun die Formen, welche die Künstlerin selbstbewusst einsetzt. Zudem entstehen Bilderserien, in welchen Karrer ein und dasselbe Thema immer und immer wieder neu variiert. In den letzten Jahren erstaunt Rita Karrer nun durch eine neue, erweiterte Farbigkeit. Sie bringt alle Farben des Regenbogens zum Einsatz, jedoch nicht ohne sie durch die strenge Form an die Kandare zu nehmen.

Die im Stadtmuseum Abensberg zu sehenden Arbeiten zeigen eindrucksvoll, wie Rita Karrer ihre Intention und ihren künstlerischen Ausdruck im Laufe ihres Schaffens konsequent weiterentwickelt hat. Nicht aufgrund eines externen Innovationsdrucks, sondern aufgrund einer konsequenten Weiterentwicklung ihrer Kunst. Die Ausstellung ist bis zum 7. August im Stadtmuseum Abensberg zu sehen.

Vita
1940 in Abensberg geboren
1976-80 Studien an der Fachhochschule Regensburg,
Fachbereich Architektur bei Prof. Alois Schaller
„Freies Gestalten und Perspektivisches Zeichnen“
seit 1980 freischaffende Künstlerin
1996 Stipendium Virginia Center for the Creative Arts, USA
1998 Auszeichnung beim 5. Internationalen Syrlin-Kunstpreis
Stuttgart
2004 Stipendium Mecklenburgisches Künstlerhaus Schloss
Plüschow, Mecklenburg/Vorpommern

 

Einzelausstellungen (Auswahl)
1985 Königliche Villa Regensburg
1988 Reitstadel Neumarkt/Oberpfalz
1989 Galeria Maly Mynek, Krakow/Polen
1990 Galerie Leerer Beutel, Regensburg
1994 Museum Waldkraiburg
1995 Galleria Comunale Bressasone, Brixen/Italien
1997 Sudhaus IV, Alte Saline, Bad Reichenhall
1999 Europäisches Haus Pilsen, Tschechische Republik
2003 Galerie im Innenhof, Lindau/Bodensee
2009 Forum Konkrete Kunst, Erfurt
2011 Museum of Chodsko Domažlice, Tschechische Rep.
2015 Städtische Galerie Leerer Beutel, Regensburg

Rita Karrer – Vom Chaos zur Ordnung