In Zusammenarbeit mit dem Museumspädagogischen Zentrum München und gefördert durch das Wertebündnis Bayern bietet das Stadtmuseum Abensberg einen Raum für interkulturelle Begegnung. Der KulturWerkRaum Abensberg fand bereits zum zweiten Mal statt.

Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Zischpen und Lederhose, Zweispitz und Gehrock oder doch lieber Jeans und T-Shirt – mit Hidjab? Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des KulturWerkRaums Abensberg haben die Qual der Wahl. In welche Kleidung sollen sie ihre Puppen stecken? Stoff- und Materialmuster gehen von Hand zu Hand und schnell wird darüber gestritten, was kleidsam, schön oder hässlich ist, oder es wird gelacht, wenn etwas lustig und ungewohnt ist. Zum Thema Mode und Kleidung hat jeder eine Meinung, die er äußern kann. Und damit ist bereits ein wichtiges Ziel des KulturWerkRaums erreicht. Es entsteht Austausch und Kommunikation zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Was ist das Projekt KulturWerkRaum?

Die Stiftung Wertebündnis Bayern und das Museumspädagogische Zentrum München sind Träger des Projektes KulturWerkRaum. Sie fördern die Konzeption und Durchführ in Zusammenarbeit mit den Einrichtungen vor Ort. In Bayern wird das KulturWerkRaum-Projekt derzeit in Museen in Abensberg, Augsburg, Burghausen, Passau und Würzburg aufgebaut oder bereits angeboten.

Arbeit mit dem Stadtbaukasten
Arbeit mit dem Stadtbaukasten

Das Angebot KulturWerkRaum Abensberg, das Dank einer großzügigen Förderung der Stiftung Wertebündnis Bayern verwirklicht werden konnte, richtete sich an alle jungen Menschen in Abensberg – mit und ohne Migrationshintergrund. Aber genauso wenig wie „die Einheimischen“ eine einheitliche Gruppe sind, genauso wenig sind es „die Migranten“. Die Spannbreite reicht von Menschen, die schon in der 3. oder 4. Generation in Deutschland leben bis zu Geflüchteten, die erst seit wenigen Monaten in Abensberg leben. Jeder bringt eigene Geschichten, eigene Erfahrungen und eigene Anschauungen mit ins Museum. Der KulturWerkRaum Abensberg möchte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem Dialog einladen. Das Ziel ist das gegenseitige Kennenlernen und Verstehen. Dabei knüpft der interkulturelle Workshop nicht nur Kontakte zwischen Einheimischen und Migranten, sondern auch zwischen den Migrantinnen und Migranten untereinander. Ziel ist es, offen und auf Augenhöhe auf junge Zugewanderte zuzugehen, sich für sie und ihre Lebensgeschichte und Kultur zu interessieren und ihnen gleichzeitig möglichst vielfältige Zugangsmöglichkeiten zur hiesigen Gesellschaft zu eröffnen.

KulturWerkRaum Abensberg im Stadtmuseum

An den beiden Workshops im Stadtmuseum nahmen etwa 50 junge Männer und Frauen teil, davon rund die Hälfte Geflüchtete und Migranten.  Der Leiter des Stadtmuseums, Dr. Tobias Hammerl, hat den KulturWerkRaum für Abensberg weiterentwickelt. Dabei ging es neben dem Thema Kleidung und Textilien um Stadtentwicklung und das Handwerk. Der Workshop begann im Museum, daran schloss sich eine Erkundung der Altstadt an und zum Schluss versuchten sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer als Brezenbäcker.

Kleider machen Leute
Kleider machen Leute

„Mir hat das Schneidern am meisten Spaß gemacht“, erzählt Raouha, eine der Teilnehmerinnen aus Syrien, und strahlt. „Ich habe eine Hose, eine Jacke und eine Mütze für eine Puppe geschneidert“, erzählt die gelernte Friseurin. Der Iraker Salam und Imad aus Syrien, die neben Raouha sitzen, nicken und lächeln. „Selbst Kleider zu schneidern hat uns am besten gefallen“, sind sich die drei einig, denen das Museumsprojekt „großen Spaß“ gemacht hat. Ein deutscher Teilnehmer hingegen ist begeistert vom Breznbacken. „Jeden Tag ess ich eine Butterbreze. Ich hätte mir nicht gedacht, dass so schwierig ist eine schöne Breze hinzubekommen“, sagt Simon mit Blick auf sein Werk.

Bildung als Wert im Mittelpunkt

Neben den Inhalten des Workshops, blieb auch Zeit, das ganze Museum zu erkunden. Salams Augen leuchten: „Die große Schreibmaschine hat mir sehr gut gefallen“, sagt der Iraker, der von Beruf Koch ist, und Raouah nickt. Tatsächlich ist die alte „Zeilen-Setz- und -Gießmaschine Linotype“ ein echtes Prunkstück im 2. Stock des Herzogskastens.

Dort steht auch das große Abensberger Stadtmodell. Und gerade mit dem Thema „Wie entsteht eine Stadt?“ beschäftigte sich die Gruppe ausführlich. Was ist überhaupt eine Stadt und wie ist eine Stadt wie Abensberg im Mittelalter entstanden. Dabei kam auch der von Tobias Hammerl entwickelte Stadtbaukasten zum Einsatz. Damit bauten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst die unterschiedlichsten Städte aus einfachen Bausteinen. „Interessant war, dass vor allem die Menschen aus Syrien immer in die Stadtmitte eine kleine Universität oder Schule gestellt haben,“ sagt Hammerl. Da merke man, dass Bildung als hoher Wert und Aufstiegschance verstanden werde. „An diese Erkenntnisse kann man anknüpfen.“

Manches wirkt auch im Vorbeigehen: Gefragt, was für sie besonders beeindruckend war, sagen Raouha und Salam: „Das Hochzeitszimmer ist sehr schön und hat uns sehr gut gefallen.“ Ein mittelalterlicher Raum mit christlichen Kunstwerken, wo heute noch gerne Ehen geschlossen werden. „Ich fand auch den Kontakt miteinander gut“, sagt Raouha.

Kaffeepause? Ganz wichtig!

„Und es gab eine Kaffeepause für den Austausch“, wie Hammerl betont: „Die Kaffeepause ist sehr wichtig für das Kennenlernen zwischen Deutschen und Geflüchteten und grundsätzlich nicht zu unterschätzen.“ So unterschiedlich wie die Zusammensetzung der Gruppe waren auch die Interessen. Manche wollten vieles noch genauer wissen. „Mir sagte hinterher zum Beispiel ein 19Jähriger Syrer, er sei sehr am Münzsammeln interessiert“, erzählt Hammerl. „Ich schlug ihm vor, zu einem Münzsammler-Verein zu gehen, was er für eine ausgezeichnete Idee hilt auf die er selbst noch nicht gekommen war. Unsere bürgerliche Vereinskultur, auch jenseits der Sportvereine, ist vielen Migranten eher fremd.“

Rundgang durch die Altstadt

In der zweiten Auflage des Workshops hat Hammerl mit der Gruppe die Altstadt erkundet. „Das, was wir im Museum am Modell betrachtet haben, haben wir dann in der Stadt angesehen“. Da ging es um Stadtmauern, Brunnen oder Straßennamen, zum Beispiel darum, dass die Schuster in der gleichnamigen Gasse gewohnt haben oder wo die Abensberger Brauereien waren. Auch konnten die Teilnehmer einen Blick in das Sudhaus des Ottenbräu werfen, wo bis vor kurzem noch Bier gebraut wurde. „Das Breznbacken als Abschluss ist natürlich ein kleiner Gag, aber nachdem jeder einen Teig in den Händen hielt, war mein Job als Referent erledigt, weil während dem Brezn-Drehen und anschließendem Verspeisen der ofenwarmen Brezen das Eis gebrochen war. Und das ist doch das wichtigste Ziel.“

Nächste Auflage im April

Aber Hammerl ist durchaus realistisch. „Klar ist, dass wir nur einen kleinen Beitrag zu einer erfolgreichen Integration leisten können. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Aber das, was ein Stadtmuseum leisten kann, das wollen wir auch anbieten.“ Deshalb wird der KulturWerkRaum Abensberg auch weitergehen. Die nächste Auflage wird im April stattfinden.

Der KulturWerkRaum Abensberg wird gefördert durch: